Die Finalisten des diesjährigen Internationalen Hochhaus Preises (IHP) stehen fest
Fünf Gebäude aus Asien, Europa, Australien und Südamerika hat die Jury aus insgesamt 30 nominierten Hochhäusern aus 12 Ländern ausgewählt. Die Jury orientierte sich in ihrer Entscheidung daran, Projekte auszuzeichnen, die über viele Jahre hinweg von Relevanz sind, trotz der Tatsache, dass die Planungen schon etliche Jahre zuvor begonnen hatten.
Der IHP gilt als der weltweit wichtigste Architekturpreis für Hochhäuser. Am 3. November 2026 wird das Gewinnerprojekt in der Frankfurter Paulskirche von Birgit Dietl-Benzin, Vorstandsmitglied der DekaBank, bekannt gegeben.
Für die Jury lag der Schwerpunkt auf der Frage, welche Rolle das Hochhaus der Zukunft einnimmt. Man einigte sich darauf, dass – abgesehen von Ästhetik und Funktion – die Fähigkeit des Hochhauses „ein guter Nachbar zu sein“, von grundlegender Bedeutung ist. Welchen Beitrag leistet das Projekt für sein Umfeld und wie bereichert es dieses? Kommt es der Stadt und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern zugute? Vor diesem Hintergrund wählte die Jury die Shortlist mit fünf Finalisten aus.
Die Finalisten des IHP 2026/27 im Überblick:
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ZIN, Brüssel, Belgien
Architektur: 51N4E, Brüssel, Belgien; l'AUC, Paris, Frankreich; Jaspers-Eyers Architects, Brüssel, Belgien -
AGE 360, Curitiba, Brasilien
Architektur: Architects Office, São Paulo, Brasilien & Triptyque, São Paulo, Brasilien / Paris, Frankreich -
Tencent Tower, Guangzhou, China
Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich -
88 Walker, Sydney, Australien
Architektur: Fitzpatrick + Partners, Sydney, Australien -
One Pearl Bank, Singapur
Architektur: Serie Architects, London, Großbritannien & Multiply Architects, Singapur
Ein Firmensitz mit gestaltprägenden „Sonnendächern“, die bei Nacht auch noch funkeln
Der mehr als 200 Meter hohe Tencent Tower in Guangzhou, China sei, so die Jury, ein hervorragendes Beispiel dafür, „wie man eine vertikale Stapelung auflöst“. Shirley Surya zufolge verwandelt sich der Bau „in ein komplexes Treppenhausgebäude, als wären es verschiedene Häuser, die sich auf die vier Stapel verteilen“. Der Bau, der mehr als 100.000 Quadratmeter Fläche aufweist und nicht nur Büros, sondern auch Museen, Kinos und Restaurants in einer Einkaufsstraße aufnimmt, „lotet die Grenzen dessen aus“, was ein Hochhaus sein kann, wie Surya es ausdrückt.
Ähnlich wie der Schirm einer Mütze kragt die höchste Ebene des Turms in Guangzhou fast 30 Meter über den eigentlichen Baukörper aus. Zudem erweitern überdimensionierte „Sonnendächer“ die Gemeinschafts- und Grünflächen auf jedem zehnten Geschoss ins Freie.
Von der Sockelzone bis in die ausufernde Krone folgt das Hochhaus dem Prinzip der vertikalen Stadt. Ein Konglomerat aus Treppen, Rampen und Höfen inszeniert das rege Treiben im Inneren des Baus. Unzählige Zuwegungen erschließen diesen vom Straßen- und Uferbereich aus. Zwischen üppigen Grünanlagen liegen hier Cafés, Ausstellungsflächen, Geschäfte und eine große Kantine. Auch in die Untergeschosse führen Wege über mit Bäumen bestückte Terrassierungen bis zu einer Kunstgalerie unterhalb der angrenzenden Straße. Eben jene Straße, die unter dem Gebäude hindurchführt, bildet die zentrale Erschließungsachse für Sockel und Hochhaus. Brücken verbinden die Baukörper und münden in der Lobby des Turms.
Fotos: Archiposition
- Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
- Bauherrschaft: Tencent, Guangzhou, China
- Hauptnutzung: Büros
- Höhe: 207 m
- Fertigstellung: August 2025
- Standort: Guangzhou, China
Auf jeder zehnten Ebene tritt das Stahlbetonskelett des Turms über zwei Geschosse offen zutage und markiert die Zonen mit den auskragenden Plattformen. Im Inneren bilden zwei Stahlbetonkerne, die die innere Erschließung beherbergen, das statische Rückgrat des Hochhauses und ermöglichen erst die weiten Auskragungen. Die darauf befindlichen Grün- und Aufenthaltsflächen werden im Inneren mit abgetreppten Atrien in der Vertikalen fortgeführt.
Auf den vier Ebenen mit den „Sonnendächern“ sind Besprechungsräume, Gewächshäuser oder Ateliers in Kuben untergebracht.
Von dort führen begrünte Treppen zu den Büroebenen, die um den Luftraum angeordnet sind. Ihr Finale findet die „vertikale Stadt“ im Panoramablick von der weit ausladenden Dachebene.
Und noch einen gestalterischen Höhepunkt bietet der Turm: An der Unterseite der auskragenden Dächer sind unzählige LED-Spots angebracht – wie ein funkelnder Himmel lässt die Lichtinstallation die Umrisse des Turms nachts verschwimmen.
Die Jury des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27
Die internationale Jury setzt sich zusammen aus Expertinnen und Experten der Architektur- und Ingenieurpraxis, der Lehre sowie den Partnern des Preises (DekaBank, Stadt Frankfurt am Main und Deutsches Architekturmuseum):
- Brian Yang, Partner BIG – Bjarke Ingels Group, Kopenhagen/Dänemark – Juryvorsitzender
- Klaas De Rycke, Partner, Managing Director, Executive Board BOLLINGER+GROHMANN, Paris/Frankreich
- Elisabeth Endres, TU Braunschweig, Geschäftsleitung Ingenieurbüro Hausladen, München/Deutschland
- Shirley Surya, Kuratorin Design und Architektur, M+, Hong Kong
- Martha Thorne, Architektin, Kuratorin, Autorin, Madrid/Spanien
- Florian Beck, Associate Partner, Standortleiter München blocher partners, München/Deutschland
- Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main
- Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main
- Johannes Hermanns, Geschäftsführer Deka Immobilien Investment GmbH, Frankfurt am Main
Stellvertretendes Jurymitglied:
- Andrea Jürges, Stellvertretende Direktorin Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main
Engagiert für Architektur seit 2004
Seit 2004 wird der Preis gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank ausgelobt und vergeben. Er begleitet seit Anfang des Jahrtausends den weltweit andauernden Boom der architektonischen Paradedisziplin des 21. Jahrhunderts.
Ziel des IHP ist es, die Bedeutung der Architektur in die Öffentlichkeit zu tragen und ein Bewusstsein für sie zu schaffen. Verantwortungsvolle Planung und eine Gestaltung, die soziale und ökologisch nachhaltige Kriterien in den Vordergrund rückt, sind wichtige Aspekte beim IHP. Als Mitbegründerin des Preises unterstützen wir damit die Vorbildfunktion der Gewinnergebäude für das Bauen in der Zukunft.
Internationaler Hochhaus Preis (IHP)
Der Preis wird für ein Hochhaus vergeben, das exemplarische Nachhaltigkeit, äußere Gestaltung und innere Raumqualitäten wie auch soziale und städtebauliche Aspekte zu einem vorbildlichen Entwurf verbindet. Weitere Kriterien sind innovative Bautechnik und Wirtschaftlichkeit. Der IHP gilt als einer der weltweit wichtigsten Architekturpreise für Hochhäuser. Er richtet sich an die Architektin oder den Architekten und den Bauherrn, deren Gebäude mindestens 100 Meter hoch sind und in den vergangenen zwei Jahren fertiggestellt wurden.
Der international renommierte Künstler Thomas Demand konnte von der DekaBank gewonnen werden, die Preisstatuette zu entwerfen. Das Wahrzeichen des Internationalen Hochhaus Preises wird seit 2004 alle zwei Jahre neu angefertigt und dem aktuellen Gewinner, der aktuellen Gewinnerin, überreicht.
Gewinnerstatuette von Thomas Demand (Foto: © Uli Maier BFF).
Alle Preisträger des IHP auf einen Blick:
- CapitaSpring, Singapur (2024), Architekturbüros BIG – Bjarke Ingels Group und Carlo Ratti Associati
- Norra Tornen, Stockholm, Schweden (2020), Architektur: Office for Metropolitan Architecture (OMA)
- Torre Reforma, Mexiko-Stadt, Mexiko (2018), Architektur: LBR&A Arquitectos
- VIA 57 West, New York NY, USA (2016), Architektur: BIG – Bjarke Ingels Group
- Bosco Verticale, Mailand, Italien (2014), Architektur: Boeri Studio
- 1 Bligh Street, Sydney, Australien (2012), Architektur: ingenhoven architects / Architectus
- The Met, Bangkok, Thailand (2010), Architektur: WOHA
- Hearst Headquarters, New York NY, USA (2008), Architektur: Foster + Partners
- Torre Agbar, Barcelona, Spanien (2006), Architektur: Ateliers Jean Nouvel
- De Hoftoren, Den Haag, Niederlande (2004), Architektur: Kohn Pedersen Fox Associates
Weitere Informationen zum IHP - Internationaler Hochhaus Preis auf der Internetseite hier.