Das ZIN in Brüssel gewinnt den Internationalen Hochhaus Preis 2026/27

Das Finale um den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) 2026/27 ist entschieden: Das mixed-use Hochhaus ZIN in Brüssel der Architekturbüros 51N4E, l´AUC und Jaspers-Eyers Architects gewinnt den Wettbewerb um das weltweit innovativste Hochhaus. Der Preis ist mit 50.000 Euro und einer Statuette des international renommierten Künstlers Thomas Demand dotiert

ZIN, Brüssel - Preisträger Internationaler Hochhaus Preis 2026/27

Das ZIN steht nicht nur für eine architektonische Erneuerung, sondern auch für einen Paradigmenwechsel im Hochhausbau: Statt Abriss und Neubau rücken Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung in den Mittelpunkt. Die ehemaligen beiden World Trade Center-Türme wurden nicht vollständig abgebrochen, sondern beide Erschließungskerne sowie die Untergeschosse wurden beibehalten und in den Neubau integriert. Zwischen die beiden Türme wurde eine Scheibe geschoben, die die beiden Hochhäuser zu einem Gebäude verbindet.

Heute wird das ZIN vielfältig genutzt und Teile sind auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Sportvereine trainieren in der Sporthalle, es gibt Appartements und ein Hotel, einen riesigen Dachgarten sowie ein Gewächshaus, das von dem Café des Hotels mitgenutzt wird. Die flämische Regierung hat ihren Sitz ins ZIN verlegt. Das Projekt ist Startpunkt einer umfassenden Erneuerung des Brüsseler Nordquartiers und öffnet sich durch seine gemischte Nutzung zur Stadt und für die Bevölkerung.

ZIN, Brüssel, Belgien; Foto: Kirsten Bucher

ZIN, Brüssel, Belgien; Foto: Kirsten Bucher

ZIN, Brüssel, Belgien; Foto: Kirsten Bucher

Schwerpunkt der Jury: Ein Hochhaus sollte ein guter Nachbar sein

Den Schwerpunkt, den die Jury sich bei diesem 12. Internationalen Hochhaus Preis setzte war die Frage, welche Rolle das Hochhaus in Zukunft spielen könnte. Unabhängig von Ästhetik und Funktion war man sich einig, dass die Fähigkeit eines Hochhauses „ein guter Nachbar zu sein“ von grundlegender Bedeutung ist. Sprich: Ein Hochhaus sollte seiner Umgebung etwas zurückgeben, den Kontext in dem es steht, verbessern und der Stadt, in der es gebaut wurde und den Menschen, die dort wohnen, zugutekommen. Die Jury orientierte sich in ihrer Entscheidung an der Idee, dass nur ein Hochhaus gewinnen sollte, das auch in 15 Jahren noch von Relevanz ist. Eine zusätzliche Frage, die im europäischen Kontext eine immer größere Bedeutung bekommt, betrifft die Themen Sanierung und Umbau, und damit einhergehend Wandlungsfähigkeit und Nutzungsmischung. Der Konsens der Jury lautete, es sei wesentlich, dass Hochhäuser, die als „gute Nachbarn“ gelten wollen, nicht monofunktional sein dürfen, sondern dass sie dazu beitragen sollten, Stadtzentren und zentrale Geschäftsbezirke wiederzubeleben.

Daraus resultierend kürte die Jury einstimmig das Projekt ZIN in Brüssel, Belgien, zum Gewinner des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27. Brian Yang, Gewinner von 2024 und Vorsitzender der Jury, begründete die Entscheidung folgendermaßen: „Hochhäuser sollen nicht länger nur hoch aufragende Symbole der Macht sein. Es geht vielmehr darum, die Macht zu transformieren, zu verändern und auf eine Situation zu reagieren. Ich glaube, es ist wichtig für einen Stadtteil, voller Leben zu sein, und das kann mit einer Mischung von Büros, Hotels und Wohnungen wie im ZIN erreicht werden.“

ZIN stärkt das Viertel, in dem es steht

ZIN war, laut Jury, das Hochhaus mit dem überzeugendsten Gesamtnarrativ: Es zeigt auf, wie sich das Konzept von Sanierung und Umbau auf ein neues Niveau heben und wie sich hierbei neue Qualität erreichen lässt. Dazu kommt, dass ZIN für europäische Verhältnisse äußerst groß dimensioniert ist. Es bietet mit seinen 10.000 Quadratmetern Fläche einen wichtigen Anziehungspunkt in einem wenig attraktiven Stadtviertel und regt im Idealfall neue Bautätigkeit an.
Die Jury resümierte, dass das Gebäude in ästhetischer Hinsicht zwar nicht als besonderer Blickfang wirkt, gerade darin aber seine besondere Stärke liegt: Wie Peter Cachola Schmal es ausdrückt, vermag es, „so viel zu bewirken“, ohne auf ikonische Wirkung abzuzielen. Der Vorsitzende Brian Yang bestätigte diese Einschätzung: „Es wirkt wie ein erstaunliches Projekt, das alles macht, was ein Hochhaus positiv gesehen tun kann: Durch einen Transformationsprozess sorgt es für Bedeutung und Qualität und stärkt damit das gesamte Viertel. Es wertet die Umgebung auf und verfügt über eine tolle interne Topografie. Die Übergänge zwischen öffentlichem und privatem Bereich sind hervorragend umgesetzt.“

Das Projekt widersetzt sich dem lautstarken Anspruch „Hier bin ich“ und legt den Fokus stattdessen auf die richtige Vermittlung der Botschaft. Während viele der Hochhäuser in Brüssel klassische Stahl- und Glas-Monolithen sind, bricht ZIN komplett mit diesem Leitbild. Die beiden ursprünglichen World Trade Center-Hochhäuser, die hier standen, wurden bis auf den Kern zurückgebaut. Zwischen ihnen wurde ein neues Gebäude mit doppelter Geschosshöhe eingefügt, das sowohl vertikal als auch horizontal Mischnutzungen fördern soll. Büros, Wohnungen, Hotelzimmer, Einzelhandel und Grünraum sind miteinander verflochten, um eine zusammenhängende Einheit zu schaffen, die auch nachts nie „leblos“ wirkt. Das neue Sockelgebäude aus Glas auf der einen Seite und der verbindende Turm mit doppelt hohen Geschossen auf der anderen Seite sorgen im neuen/alten Gebäude für Vielfalt. Dabei erreichte das Projekt eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung von 95 Prozent für die verwendeten neuen Materialien, was einen geschlossenen, endlosen Rohstoffkreislauf statt Abfall bedeutet – ein noch nie zuvor erreichter Wert für ein europäisches Mischnutzungsprojekt dieser Größe.


Während der Preisverleihung wurden auch die weiteren vier Finalisten geehrt:

  • AGE 360, Curitiba, Brasilien Architektur: Architects Office, Sao Paulo, Brasilien; Triptyque, Sao Paulo, Brasilien / Paris, Frankreich
  • Tencent Tower, Guangzhou, China Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
  • 88 Walker, Sydney, Australien Architektur: Fitzpatrick + Partners, Sydney, Australien
  • One Pearl Bank, Singapur Architektur: Serie Architects, London, Großbritannien; Multiply Architects, Singapur


Aus über 1.000 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hatte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 30 herausragende Gebäude aus 12 Ländern nominiert. Eine internationale Jury von Expertinnen und Experten aus Architektur- und Ingenieurpraxis sowie den Partnern des IHP (DekaBank, Stadt Frankfurt am Main und Deutsches Architekturmuseum) – unter der Leitung von Brian Yang (Architekt, Partner BIG, Kopenhagen) – wählte aus den Nominierten die fünf Finalisten und den Gewinner.

Die Jury des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27

Die internationale Jury setzt sich zusammen aus Expertinnen und Experten der Architektur- und Ingenieurpraxis, der Lehre sowie den Partnern des Preises (DekaBank, Stadt Frankfurt am Main und Deutsches Architekturmuseum):

  • Brian Yang, Partner BIG – Bjarke Ingels Group, Kopenhagen/Dänemark – Juryvorsitzender
  • Klaas De Rycke, Partner, Managing Director, Executive Board BOLLINGER+GROHMANN, Paris/Frankreich
  • Elisabeth Endres, TU Braunschweig, Geschäftsleitung Ingenieurbüro Hausladen, München/Deutschland
  • Shirley Surya, Kuratorin Design und Architektur, M+, Hong Kong
  • Martha Thorne, Architektin, Kuratorin, Autorin, Madrid/Spanien
  • Florian Beck, Associate Partner, Standortleiter München blocher partners, München/Deutschland
  • Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main
  • Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main
  • Johannes Hermanns, Geschäftsführer Deka Immobilien Investment GmbH, Frankfurt am Main

IHP 2026/27 Jury Sitzung; Foto: Kirsten Bucher


Engagiert für Architektur seit 2004

Seit 2004 wird der Preis gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank ausgelobt und vergeben. Er begleitet seit Anfang des Jahrtausends den weltweit andauernden Boom der architektonischen Paradedisziplin des 21. Jahrhunderts.

Ziel des IHP ist es, die Bedeutung der Architektur in die Öffentlichkeit zu tragen und ein Bewusstsein für sie zu schaffen. Verantwortungsvolle Planung und eine Gestaltung, die soziale und ökologisch nachhaltige Kriterien in den Vordergrund rückt, sind wichtige Aspekte beim IHP. Als Mitbegründerin des Preises unterstützen wir damit die Vorbildfunktion der Gewinnergebäude für das Bauen in der Zukunft.


Alle Preisträger des IHP auf einen Blick
 

  • CapitaSpring, Singapur (2024), Architekturbüros BIG – Bjarke Ingels Group und Carlo Ratti Associati
  • Norra Tornen, Stockholm, Schweden (2020), Architektur: Office for Metropolitan Architecture (OMA)
  • Torre Reforma, Mexiko-Stadt, Mexiko (2018), Architektur: LBR&A Arquitectos
  • VIA 57 West, New York NY, USA (2016), Architektur: BIG – Bjarke Ingels Group
  • Bosco Verticale, Mailand, Italien (2014), Architektur: Boeri Studio
  • 1 Bligh Street, Sydney, Australien (2012), Architektur: ingenhoven architects / Architectus
  • The Met, Bangkok, Thailand (2010), Architektur: WOHA
  • Hearst Headquarters, New York NY, USA (2008), Architektur: Foster + Partners
  • Torre Agbar, Barcelona, Spanien (2006), Architektur: Ateliers Jean Nouvel
  • De Hoftoren, Den Haag, Niederlande (2004), Architektur: Kohn Pedersen Fox Associates